Sky und DAZN auf dem Prüfstand:
Was bekommen die Abonnenten eigentlich für ihr Geld?

Medienkritische Untersuchung · November 2026

Die entscheidende Perspektive ist diesmal nicht die der Sender, nicht die der Kommentatoren und auch nicht die der Vereine. Es ist die Perspektive der zahlenden Zuschauer.

Wer Sky oder DAZN abonniert, bezahlt nicht nur für die Übertragungsrechte und die Bilder aus dem Stadion. Er erwartet eine professionelle Begleitung des Spiels: Fachwissen, verständliche Analysen, neutrale Einordnung, gute Sprache und Unterhaltung. Doch wie oft bekommen Fußballfans tatsächlich diese Leistung?

Wie oft hören sie stattdessen:

  • dieselben Phrasen und Wiederholungen?
  • übertriebene Dramatisierung?
  • persönliche Vorlieben und erkennbare Sympathien?
  • eine Bayern-hörige, oft unterwürfige Moderation?
  • oberflächliche Analysen statt taktischer Einordnung?
  • eine Kommentierung, die eher Stimmung macht als informiert?

Das sind keine Vorverurteilungen. Es sind die Fragen, die wir anhand von Übertragungen, wissenschaftlichen Qualitätsmaßstäben und dokumentierten Zuschauerreaktionen untersuchen wollen.

Meine Leitthese zur Überprüfung: Ein teures Fußballabonnement verpflichtet nicht zu Begeisterung für den Sender, sondern begründet Erwartungen an die journalistische Qualität seiner Leistung.

Jan Platte: Gilt als einer der Top-Moderatoren in Deutschland

1. Was die Forschung über die Qualität der Kommentatoren sagt

Es gibt bereits wissenschaftliche Untersuchungen, die erstaunlich gut zu dieser Fragestellung passen. Eine besonders wichtige Untersuchung stammt von Michael Schaffrath, Technische Universität München.

Seine Arbeit zur Qualität der Fußball-Live-Kommentierung untersuchte zwölf Spiele der EM 2016 anhand von sieben fachlichen Qualitätskriterien. Das Ergebnis war insgesamt positiv: Die Kommentierungen erreichten ein hohes fachliches Niveau. Allerdings gab es auch erkennbare Schwächen:

  • In neun der zwölf Spiele kam es zu Spielerverwechslungen.
  • Die Analyse von Fehlern in Abwehr und Torwartspiel blieb nach Toren häufig aus.
  • Die unmittelbare Bewertung strittiger Szenen gelang oft erst nach Zeitlupen. Journal für Sportkommunikation und Mediensport+1

Das ist wichtig zu Wissen für meine weitere Argumentation: Ich möchte nicht pauschal behaupten, deutsche Fußballkommentatoren seien fachlich schlecht. Ich wollte vielmehr – selbstverständlich ebenso subjektiv – untersuchen, wo Anspruch und tatsächliche Leistung aus meiner Sicht auseinanderklaffen.

Noch interessanter ist eine Zuschauerbefragung aus dem Jahr 2012 mit 834 Teilnehmern. Sie wurde in der wissenschaftlichen Arbeit von Schaffrath aufgegriffen. Das Publikum bewertete die Kommentatoren damals im Durchschnitt mit der Schulnote 3,62 – also nur ausreichend. Diese Zahl ist historisch und keine aktuelle Bewertung von Sky oder DAZN. Sie zeigt aber, dass die Kritik an der Kommentatorenqualität keineswegs neu ist.

2. Das eigentliche Dilemma: Journalist oder Entertainer?

Eine wissenschaftliche Untersuchung von Jessica Kunert und Peer Kuni aus dem Jahr 2023 ist für unsere Recherche besonders aufschlussreich. Sie befragten 28 Fernsehkommentatoren, einen Radiokommentator und einen Experten aus dem deutschen Fußballfernsehen. Sky und DAZN waren ausdrücklich Teil des Untersuchungsumfelds. MDPI

Das Ergebnis:

  • 15 der 30 Befragten wurden als eher journalistisch orientierte, größtenteils objektive Vermittler eingeordnet.
  • Sechs galten als stärker emotional orientierte Entertainer.
  • Bei neun ließ sich keine eindeutige Zuordnung treffen.

Die Studie beschreibt damit einen Konflikt, der für meine Untersuchung zentral ist: Der Kommentator soll informieren, analysieren und einordnen – gleichzeitig aber unterhalten, Emotionen transportieren und das Spiel für den Fan zu einem Fernseherlebnis machen.

Besonders interessant sind einige Aussagen aus den Interviews:

Ein Sky-Kommentator beschrieb sich sinngemäß als verlängerten Arm des Fans. Ein DAZN-Vertreter betonte dagegen die journalistische Rolle als Dienstleister des Publikums. Andere Befragte kritisierten, dass Experten ohne journalistische Ausbildung viel zu oft in langweiligen Allgemeinplätzen stecken bleiben.

Das ist keine Randerscheinung. Es berührt die Kernfrage der Untersuchung: Wer steht eigentlich im Mittelpunkt einer Fußballübertragung – das Spiel oder derjenige, der es kommentiert?

Ein Kommentator darf unterhalten. Er darf begeistern. Er darf auch einmal laut werden. Aber er sollte nicht versuchen, durch künstliche Dramatik ein Spiel aufzuwerten, das auf dem Platz gerade wenig hergibt und erst recht sollte er sich nicht phasenweise in eines der Lager begeben.

Oder anders formuliert: Ein 0:0 muss nicht zum WM-Finale erklärt werden.

3. Die sieben Qualitätsmaßstäbe

Für die Untersuchung verwende ich hierbei einen einheitlichen Kriterienkatalog.

KriteriumWas der Abonnent erwarten darf
FachkompetenzRegeln, Spieler, Taktik und Zusammenhänge kennen
NeutralitätGleiche Maßstäbe für beide Mannschaften
AnalyseSpielsituationen erklären statt nur beschreiben
SprachqualitätPräzise, verständlich und abwechslungsreich formulieren
InformationswertHintergrundwissen mit echtem Mehrwert liefern
ProfessionalitätFehler eingestehen, Spekulation kennzeichnen
UnterhaltungEmotionen vermitteln, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen

Ein wichtiger Punkt: Neutralität bedeutet nicht Emotionslosigkeit. Ein herausragendes Tor darf gefeiert werden. Eine Fehlentscheidung darf kritisiert werden. Entscheidend ist, ob die Bewertung nachvollziehbar und gegenüber „beiden Seiten“ fair bleibt.

4. Die häufigsten Kritikpunkte der Zuschauer

Die Kritik, die wir Fans künftig systematisch erfassen sollten, lässt sich in sechs Kategorien aufteilen, in denen beispielhaft ein stereotyper Performer genannt werden kann:

1. Die Phrasendrescher

Beispiel: Kai Dittmann (Sky). Ein Kommentator darf eins nicht sein: langweilig. Bei ihm hörst du immer wieder dieselben Formulierungen, „Fußballweisheiten“ und sprachlichen Routinen. Viel luftleere Redezeit, aber wenig neue Information. Braucht keiner.

2. Die Selbstdarsteller

Beispiel: Wolff-Christoph Fuss (Sky/RTL). Der Kommentator wird zur Hauptfigur. Witze, Wortspiele, künstliche Spannung und persönliche Geschichten verdrängen oft das eigentliche Spiel. Läßt sich zu stark von Co Lothar Matthäus „pro Bayern“ vereinnahmen.

3. Die Taktik-Oberflächlichen

Beispiel: Uli Hebel (DAZN). Zu viel Fachkompetenz, Analyse und Zuschauerorientierung. Es wird viel zu viel über Pressing, Räume und Umschaltmomente gesprochen. Aber werden diese Begriffe auch „fachlich“ eingeordnet und erklärt?

4. Die Besserwisser

Beispiel Jan Platte (DAZN). Eigentlich grundseriös. Aber Schiedsrichterentscheidungen werden mit großer Sicherheit beurteilt, obwohl die Perspektive oder die Zeitlupe noch fehlt. Spätere Korrekturen bleiben manchmal aus, dabei ist er ein personifiziertes Fußball-Lexikon.

5. Die Parteilichen

Beispiel: Frank Buschmann. Regelmäßige Voreingenommenheit für oder gegen bestimmte Vereine muss man ihm vorwerfen. Oft zu affektierte Begleitung bestimmter Mannschaften. Spieler erhalten erkennbar unterschiedliche sprachliche Bewertungen. Ganz schlimm im Freitags-Duo mit Florian „Schmiso“ Schmidt-Sommerfeld.

6. Die Langweiler

Beispiel: Martin Groß. Monotone Sprache, fehlende Spielanalyse, Informationswert und Ausgewogenheit, offen erkennbare BVB-Negativität und kaum wahrnehmbare Fähigkeit, auch ein unspektakuläres Spiel informativ unterhaltsam zu begleiten.

7. Die Unterhalter

Beispiel: Marco Hagemann (DAZN/RTL). Ein Gegenbeispiel. Er ist der Prtotyp allererbester Unterhaltung. Nimmt nich nie zu wichtig, ordnet ein, was man wissen sollte und glänzt durch strikte Einfachheit.

5. Fazit

Diese Aufzählung bekannter Kommentatoren erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollkommenheit. Auch sind hier nur besonderes „schillernde“ Beispiele angerissen bekannter Personen. Nicht erwähnt ist, dass auch andere Sender „schwarze Schafe“ in ihren Reihen haben. Tom Bartels (ARD) ist der wohl bekannteste Fall, bei dem sich ein Sender sogar offiziell erklären musste. Während der EM 2021 warf das Publikum ihm beim Spiel Dänemark gegen Russland extreme Parteilichkeit für die Dänen vor. Die ARD entschuldigte sich daraufhin via Social Media für den „sehr emotionalen“ und einseitig wahrgenommenen Kommentar.

Zu Teil 1


Ein Kommentar zu „TEIL 2 – 90 Minuten Meinung statt Analyse?“

  1. […] Im 2. Teil werfen wir deshalb mal einen Blick auf die „Qualität“ der Kommentatoren, für deren wöchentliche Schilderungen Fans ja verdammt tief in die Tasche greifen müssen (ein kombiniertes Paket aus Sky/WOW Bundesliga & Sport plus DAZN Unlimited ist je nach aktueller Rabattaktion im Jahresabo meist ab fette 69,99 € pro Monat zu haben).Zu Teil 2 […]

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