Von Kurt Tschenscher bis Manuel Gräfe – wo sind nur die echten Schiris hin?

Als der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst nach Rücksprache mit seinem Linienrichter Tofiq Bəhramov das bis heute umstrittene „Wembley-Tor“ von Geoff Hurst im WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland gab, obwohl der Ball die Linie nicht ansatzweise vollständig überquert hatte (was zu einer spielentscheidenden 3:2-Führung für England führte), war die Welt für uns Fans – trotz dieser „Schweinerei“ -noch halbwegs in Ordnung. Übrigens: Gottfried Dienst setzte das Schiedsrichterwesen fort, bis er die Altersgrenze von 48 Jahren erreichte. Sein letztes Spiel war das Finale der UEFA-Europameisterschaft 1968. Er hatte 1.224 Spiele über 20 Jahre absolviert.

Oder als das Oberhausener Schiri-Original Wolf-Dieter Ahlenfelder die Spieler der Begegnung SV Werder Bremen gegen Hannover 96 am 8. November 1975 bereits nach 32 Minuten in die Halbzeitpause schickte, war eine der größten und unterhaltsamsten Legenden der Bundesliga-Historie in die Chroniken sämtlicher Jahrbücher eingegangen.

Nicht einmal Schiedsrichter Mario van der Ende aus den Niederlanden konnte mit seinem „Aprilscherz“ unsere Laune trüben, als er am 1. April 1998 das Halbfinal-Spiel der UEFA Champions League in der Saison 1997/98 zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund im Santiago-Bernabéu-Stadion wegen eines umgefallenen Tores 76 Minuten(!) später anpfiff.

Heute ist alles anders. Profilierte Stimmen melden sich jede Woche zu Wort. Der „Doppelpass“ – 30 Jahre alte Kultsendung für sog. „Experten“ – debattiert nahezu jede Woche über verhängnisvolle Fehlentscheidungen. Didi Hamann (ehemaliger Profi und Sky-Experte) zieht ein klares Fazit: „Der Video Assistant Referee … hat in den sieben Jahren seit Einführung mehr kaputtgemacht, als dem Sport gebracht.“ So ist es.

Auch Markus Merk, der ehemalige Top-Schiedsrichter aus Kaiserslautern, merkt über den VAR-Effekt auf Schiedsrichter an: „Wir bekommen ein Riesenproblem im Fußball, wenn wir nicht erkennen, dass die Entscheidungskompetenz der Schiedsrichter … nachlässt.“ In einem Interview warnte Merk, dass viele Referees sich durch die ständige Rückendeckung via VAR von klaren Entscheidungen entlasten — und dass der VAR damit so stark als „Backup“ genutzt wird, dass die Eigenständigkeit der Schiedsrichter auf dem Platz verloren gehe.

Zudem ist selbst bei Video-Überprüfung nicht alles eindeutig:
Entscheidungen bleiben teils subjektiv bzw. interpretationsabhängig.

„Der Videobeweis macht den Fußball nicht besser – und auch nicht gerechter.“
Das sagt auch kein Geringerer als Urs Meier, einer der wohl berühmtesten ehemaligen Schiedsrichter aus Zürich und ergänzt: Schiedsrichter würden sich zu sehr auf den VAR verlassen und hätten dadurch ihr Handwerk „verlernt“. Und da hat er absolut Recht.

Gottfried Dienst und Wolf-Dieter Ahlenfelder: Schiedsrichter mit Fehlern

Wenn man sich aufmacht ins Stadion, um den Geruch von Freiheit & Abenteuer mit dem Dreiklang »Bier – Bratwurst – Borussia« live zu fröhnen, muss man einen Teil der Emotion spätestens nach dem ersten Tor begraben. Das Netz beult sich, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen und jubeln, doch dann… der Schiedsrichter weist mit einer Geste darauf hin, dass der „Kölner Keller“ das Tor überprüft und die Freude verstirbt im Gesicht von einem Moment zum anderen. Die Zeit vergeht. Nach drei Minuten dann die Entwarnung. Die Frage war, ob der kleine Zeh des Flankengebers im Abseits gewesen sein soll – oder war es doch die Kniescheibe? Der Schiri holt tief Luft und erklärt es allen Anwesenden. Ein Stück inszenierte Schauspielerei der DFB-Spielleiter. Brot und Spiele sozusagen.

Fazit mit Schlüsselpunkten

Nein, das ist nicht mehr unser Fußball. Trotz VAR gibt es weiterhin Fehler und viel zu oft wird der Spielfluss gestört, Emotionen und Spontanität gehen komplett dabei verloren. Inzwischen nervt das ganze überzüchtete Procedere nur noch. Typisch deutsche Korinthenkackerei um Zentimeter. Da lob‘ ich mir doch einen Blick ins Mutterland England. Dort ist ein Tor ein Tor, solange dem keine „gravierenden“ Beeinträchtigungen entgegenstehen. Nicht so eine Geschiß wie in Deutschland. Reiner Fußball eben. Ich möchte den auch zurück haben.


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