Dortmund diskutiert in diesen Tagen darüber, ob nicht doch mehr als nur Punkte gefragt sind. Der BVB steht aktuell an einem Punkt, an dem reine Effizienz nicht mehr ausreicht. Es geht nicht mehr nur um Tabellenplätze – sondern um die Frage, wofür diese Mannschaft überhaupt steht. Die Antwort darauf wird entscheiden, ob diese Saison am Ende als „solide“, oder als verpasste Chance in Erinnerung bleibt.

Der emotionslose Niko Kovac‘-Fußball verfolgt einen pragmatischen Ansatz, gestaltet sich aber über weite Strecken uninspiriert – Beispiel Bayer Leverkusen: mit zwei Niederlagen und jeder Menge Erkenntnissen. Leidenschaftslose Auftritte, bei denen man sich als Fan unweigerlich fragte: War das wirklich der wahre Leistungsstand von Borussia Dortmund?

Was Schwarzgelb seinen Fans aktuell zeigt, ist für die riesige BVB-Familie schwer zu greifen – und noch schwerer zu ertragen. Ja, die Ergebnisse in der Bundesliga stimmen größtenteils, mag man einwenden. Aber das „Wie“ lässt einen zunehmend ratlos zurück. Das ist kein Fußball, der mitreißt. Das ist Fußball, den man sich schönreden muss.

Effizienz in der Bundesliga ohne echte Überzeugung
Dortmund holt unter Kovac solide Punkte: Mit 1:0-Siegen und knackigen Kontern bleibt der 2. Tabellenplatz sicher, etwa durch smarte Standards und Bellingham/Sabitzer-Kontrolle. Doch der Stil ist Lichtjahre entfernt vom explosiven Gegenpressing der glorreichen Vergangenheit – Fans sehnen sich nach Tempo und Flanken.

Europa und DFB-Pokal: Verpasste Chancen und Anspruch verfehlt
Im Pokal scheiterte man in beiden Wettbewerben viel zu früh, in der Champions League reichte es nur für das Achtelfinale, aber nicht mehr für den mit Spannung herbeigesehnten Knaller gegen Bayern. Hier fehlte es erstaunlicherweise an Disziplin und Risikobereitschaft: Kovac priorisiert zuvorderst Defensivstabilität, opfert Außen und lässt Flügelstürmer wie Adeyemi viel zu oft auf der Bank schmoren.

Verwalten statt gestalten

Dabei hätte man es wissen müssen: In seiner letzten Trainerstation beim VfL Wolfsburg (2022–2024) gestaltete sich sein Engagement ähnlich: erst kam die Serie, dann die Krise und Kritik. Die Fans waren ebenso unglücklich mit „biederen Mittelmaß“. Die Entlassung im März 2024 ergab zwar eine solide Bilanz, aber kein Feuerwerk, keine Weiterentwicklung. Exakt wie bei uns. Die Geschichte zeigt zudem: Sein Pragmatismus scheitert an Glanzmomenten (Frankfurt).

Unter Trainer Niko Kovac wirkt auch Borussia Dortmund wie eine Mannschaft auf Sparflamme. Kontrolliert, diszipliniert, ordentlich – aber ohne jede Wucht. Kein Flügelspiel. Kein konsequentes Pressing. Kaum Tempo im Mittelfeld, stattdessen viel Ballgeschiebe, oft getragen von Sabitzer – ein Spieler, der sich bemüht, aber dem Spiel schlicht keinen Stempel aufdrücken kann. Das Ergebnis: Quer, statt Schnittstellenpässe! Viel Aufwand, wenig Ertrag fürs Auge.

Das große Missverständnis

Die Kritik kommt längst nicht mehr nur aus der Südtribüne oder dem Fan-Umfeld. Auch erfahrene Beobachter wie der Dortmunder Journalist Freddie Röckenhaus sehen eine gefährliche Stagnation – sportlich wie spielerisch.

Die entscheidende Frage ist nämlich längst keine taktische mehr. Es ist eine Identitätsfrage. Borussia Dortmund war immer ein Verein, der nach vorne gedacht und viele Jahre Gegner regelrecht überrollt hat mit seiner Wucht. Der Spiele vor allem vor der Süd entschieden hat – nicht ein 1:0 verwaltet. Davon ist aktuell wenig zu sehen.

Aber ist das genug für einen Club mit derartiger Strahlkraft?

Pikante Kritik – trotz Fortschritt – kommt auch intern mit leisen Schritten. Zwar gibt es prominente Unterstützer in Dortmund wie z.B. Lars Ricken („Wir alle beim BVB sind von Niko Kovac zu 100 Prozent überzeugt. Der Endspurt der vergangenen Saison war sensationell erfolgreich – dank Niko Kovac“) oder Matthias Sammer („Definitiv ein Titel-Trainer“), aber wer ist wirklich restlos überzeugt?

Ole Book: Angriffsgeist vs. Pragmatismus?

Der neue Sportvorstand Ole Book steht für offensiven Fußball – er holte hochtalentierte Angreifer nach Elversberg und stürmte in die Herzen der Saarländer. Kaum in Dortmund angekommen schwärmte er direkt in seiner Vorstellung von „emotionalem BVB-Stil“. Passt das zu Kovac‘ 4-2-3-1 ohne Bahnen, wo Sabitzer kaum kreativen Ballbesitz und noch weniger Dynamik aufbietet?

Mit dem neuen Sportdirektor steht nun ein Mann in Diensten, der erkennbar für genau das Gegenteil des heutigen Fußballs steht: Offensiv! Mutig! Direkt! Also exakt das, was Borussia Dortmund gerade fehlt. Wettbewerbsübergreifend hat der BVB in 13 Vergleichen gegen eine Top-5-Mannschaft nur 2 x gewonnen – darunter der „Duselsieg“ in Stuttgart. Mit diesem minimalistischen Spielstiel kann man im Titelrennen nicht mitspielen.

Eine weiteres Problem ist der Umgang mit Toptalenten. Er kann sie nicht entfesseln, geschweige denn einbauen. Lieber schickt man sie weg (Mittelfeldspieler Kjell Wätjen, Linksaußen Julien Duranville, Rechtsaußen Cole Campbell). Aber passt das überhaupt zusammen, oder würde ein solcher Ansatz das komplette System sprengen? Die Wahrheit ist: Der BVB steht vor einer wesentlichen Grundsatzentscheidung.

Fazit: Das reicht nicht für Dortmund

Es geht nicht darum, jedes Spiel „spektakulär“ zu gewinnen. Aber es geht darum, eine Handschrift zu haben. Und genau die fehlt. Was aktuell auf dem Platz steht, ist mit gutem Willen effizient – manchmal. Aber es ist nicht unsere Borussia. Und genau das macht vielen Fans mehr Sorgen als jede Tabelle. Denn klar ist auch: Wenn du dich in erster Linie nur für Punkte und Verwaltungsfußball verkaufst, verlierst du irgendwann das, was dich groß gemacht hat. Und Borussia Dortmund steht nun mal für Emotionen!



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