Am gestrigen Donnerstag wurde die UN-Gesandte María Ángela Holguín auf der Insel begrüßt. Ein gemeinsames Treffen mit beiden Führern ist laut ‚Cyprus Mail‘ für den 9. November angesetzt. Zuvor gab es zwei Signale, die zeigen, wie weit die Positionen auseinanderliegen.
Der Vorschlag. Christodoulides hat Erhürman vorgeschlagen, das abgesperrte Varosha unter UN-Verwaltung zu öffnen und wiederzubesiedeln und den Hafen von Famagusta unter EU-Kontrolle zu öffnen. Erhürman lehnte ab. Der Vorschlag sei unausgewogen, weil er keine Anwendung der EU-Direkthandelsverordnung vorsieht, und die gleiche Formel sei schon 2006 unter Talat vorgelegt worden. Nach Darstellung der Regierung in Nikosia ist es einer von 19 Vorschlägen, der sich auf die UN-Resolutionen 550 und 789 stützt. Erhürman sagt, ihm liege kein schriftliches Dokument mit 19 Punkten vor.
Kombos und Holguín. Der griechisch-zypriotische Außenminister Kombos erklärte, Holguín könne die beiden Seiten nicht gleichsetzen. Aus diplomatischen Gründen gelte zwar Äquidistanz, sie bilde aber nicht die Lage vor Ort ab. Er meinte damit die Seite, die EU und Vorschläge ins Spiel bringe. Dazu passt, dass der griechisch-zypriotische Varosha-„Bürgermeister“ Yiannou klagt, seit einem Jahr vergeblich um ein Treffen mit Holguín zu bitten. Auch er will Varosha unter UN-Schutz stellen, ohne damit die Gesamtlösung zu präjudizieren.
Kann das im Sinne der
„Zypernfrage“ Sinn machen?
Dafür spricht: Eine UN-Verwaltung würde zunächst einmal Vertrauen schaffen und Menschen eine Rückkehr ermöglichen. Der Europarat fordert seit Langem, Varosha seinen mutmaßlich rechtmäßigen Einwohnern zurückzugeben.
Dagegen spricht: Aus türkisch-zypriotischer Sicht geht es um ein Pfand. Gibt man Varosha ab, ohne dass im Gegenzug etwas Gleichwertiges kommt, verliert man Verhandlungsmasse. Erhürman fragt im Kern, warum die UN-Verwaltung ausgerechnet mit diesem Preis verknüpft wird. Ob er die Hafenöffnung per se ablehnt, ist offen. Er hat laut Regierungssprecher einige der Vorschläge abgelehnt – andere wolle er prüfen.

Und die Investoren? Auffällig ist, dass vom oft genannten chinesischen Interesse an Varosha nichts „Belastbares“ zu finden ist. Es gab zwar erstmals 2019 Berichte, wonach russische und chinesische Investoren Griechen mit früherem Eigentum in Varosha angesprochen hätten, um sie zum Verkauf zu bewegen. Das behauptete damals zumindest die griechisch-zypriotische Seite.
Der frühere Premierminister Hakkı Atun (von 1994 bis 1996, Mitbegründer und erster Vorsitzender der Demokratischen Partei in Nordzypern) sagte hingegen, trotz Einladung an ausländische Investoren sei niemand erschienen. Die Infrastruktur würde laut türkischen Medien rund 10 Milliarden Dollar kosten. Dazu kommen ungeklärte Eigentumsfragen: Jede Investition ohne politische Einigung bleibt rechtlich riskant. Auch eine UN-Verwaltung würde diese Frage nicht von allein lösen.
Fazit: Der Vorschlag ist weder harmlos noch aussichtslos. Er verlangt beiden Seiten etwas ab und wird deshalb – verständlicherweise – unterschiedlich interpretiert. Wer also in Varosha investieren will, wartet am besten erst einmal die Ergebnisse der Holguín-Gespräche ab.


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